mit 20 km/h durch das Dunkel

Veröffentlicht auf von M.

Morgens so zwischen 6:45 und 7 Uhr „rase“ ich mit 20 km/h mit meinem Fahrrad durch das Dunkel. Naja, 20 km/h sind nicht wirklich schnell, aber im Stockdunkel kommt es mir so vor. Durch meine Strasse bis zur Kreuzung ist alles hell erleuchtet – Großstadt eben.

Aber dann biege ich in den Fahrradweg und plötzlich fehlt jedes Licht!
Rechts von mir der Wall der Schnellwegabfahrt, links Grünanlage und mittendrin ich auf meinem Rad. Nur etwa 10 Meter weit voraus kann ich im Schein des Vorderlichts etwas erkennen, jede Menge Laub, kleine Zweige und auch mal ein größerer Ast. Dann abbiegen nach rechts. Nun ist links die Leine –zuweilen in Nebelschwaden gehüllt – und rechts sind die Rückseiten einiger Häuser, an einigen Stellen gibt es trübe Lampen. Weiter geht´s, ich blicke angestrengt auf den beleuchteten Teil meines Weges. Die Schlaglöcher im Weg kenne ich gut, doch manche tauchen doch unverhofft auf und dann wird´s auch mal naß an den Füßen.
Selten kommt mir jemand entgegen, ich bin allein. Und „rase“ vor mich hin, meine Gedanken schweifen, ich verliere mich in klugen Gedanken und auch Absurditäten.
Ich sehe die Brücke über dem Fluß, doch verpasse ich trotzdem regelmäßig die Auffahrt und so muß ich im 15. Gang die steile Strecke nehmen. Das gehört dazu. Oben auf der Brücke ein Blick nach links ins Dunkel und rechts die erleuchtete Stadt, schön sind beide Aussichten – manchmal bleibe ich stehen und schaue eine Weile. Weiter geht´s, nach der Brücke gleich scharf rechts einbiegen, hier ist es meist rutschig, aber mittlerweile habe ich ja ein paar Gänge runtergeschaltet. Nun ist der Schnellweg links, ein paar Meter erhöht und rechts wieder der Fluß. Ein kurzes Stück dann komme ich unter dem Schnellweg raus, gelbes Licht, kein Mensch zu sehen, noch immer allein mit mir.
So könnte ich ewig weiter fahren. Mein Blick ist nicht mehr angestrengt, ich bin heiter und entspannt.

Ein kleine Strasse fahre ich entlang und plötzlich bin ich mitten in der Stadt. Verkehrsknoten, Ampeln, Massen von Autos, da sind auch andere Fahrradfahrende, Fußgänger. Hochtourig pulsierendes Chaos, so kommt es mir vor. Mein Fahrradscheinwerfer wird fast überflüssig.
Und mein Blick löst sich von dem Boden 10 Metern vor mir. Jetzt muß ich aufpassen, Ampelphasen abpassen und meine Sinne wieder der Welt um mich herum öffnen.

Schade!

Diese 10, 12 Minuten im Dunkel möchte ich nicht missen, sie sind meine morgendliche Meditation .

Veröffentlicht in tätigkeitsbericht

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post