was vom Tage übrig blieb

Veröffentlicht auf von M.

so heißt ein Film mit Bob Hoskins, den ich vor Jahren einmal gesehen habe und der mir leider nur vage in Erinnerung geblieben ist (ich werd´ ihn mir mal wieder ansehen).

Geblieben ist aber in meinem Unterbewusstsein dieser Satz „was von Tage übrig blieb“, der kam eben grad wieder hoch ins Bewusstsein und er schließt sehr gut an mein gestriges Gespräch mit meinen besten Freund an.

Was bleibt denn von einem Tag übrig? Müssen wir abends vor dem Einschlafen den Tag noch einmal Revue passieren lassen? Und wenn ja, warum? Weil es noch Unerledigtes, Unverarbeitetes gibt etwa? Oder weil wir uns noch einmal erinnern wollen? Daran könnte sich auch die Frage anschließen, wie verarbeiten wir eigentlich – ganz individuell Unerledigtes und Unverarbeitetes.

Ich weiß, dass ich in Träumen viel verarbeite, auch beim Schreiben stellt sich Klarheit ein und wenn ich in Bewegung bin, sortieren sich meine Gedanken neu.

Doch, die eigentliche Frage ist doch, was bleibt vom Tag übrig? So insgesamt gesehen.
Vom gestrigen Tag ist heute noch Müdigkeit übrig geblieben und  ... von den fünf Tage vor heute eine gewisse Erschöpfung, die Schmutzwäsche, der leere Kühlschrank, der Staub ... manches gute Gespräch, die Erinnerung  an Unstimmigkeiten ...

Und daran schließt sich die Frage an, an was ich mich eigentlich erinnern will. Was soll übrig bleiben von einem Tag?
Vor vielen Jahren habe ich in einem Buch gelesen „es gibt in diesem einen Moment nicht zu befürchten“ und das habe ich mir in einer besonders schweren Zeit zum Mantra gemacht.
Im Laufe der Jahre habe ich diesen Satz zu einer Art Lebenseinstellung, zu einem Glaubenssatz für mich gemacht. Und den Satz erweitert um: es gibt in diesem einen Moment nicht zu befürchten, ich bin immer so gut, wie ich gerade sein kann, ich lebe authentisch und ... ich bestimme selbst, was vom Tag übrig bleibt.

Ich beeinflusse,  woran ich mich erinnere und in welcher Weise ich das tue. Kaue ich lange auf meinen Unzulänglichkeiten, an Missverständnissen, am Versagen herum oder sehe ich das Positive eines Tages, freue mich auch an (kleinen) Erfolgen und sehe in der Reflektion neue (Handlungs-)Möglichkeiten? Für mich persönlich trifft eher der zweite Teil des Satzes zu: ich denke positiv, denke bei Fehlverhalten eher an meinen Lerneffekt und was mir ganz wichtig ist, ich freue mich über (scheinbare) Kleinigkeiten (müde zur Arbeit fahren, aber der Sonnenaufgang ist so fantastisch, dass ich mit Freude in den Tag gehe). Das funktioniert zugegebenermaßen nicht immer, aber ich kann mich heute viel schneller und effektiver aus einer schlechten - und damit destruktiven und ineffektiven – Stimmung heraus holen.

Was vom Tage übrig blieb, das allein liegt also in meiner Hand, in meinem Geist und in meinem Herzen
Wenn ich authentisch bin, kann ich besser mit meinen Fehlern/ 
Unzulänglichkeiten umgehen Wenn ich mich nicht (oder wenig) um das Morgen sorge, mir keine Gedanken mache, was alles (und womöglich noch im schlimmsten Fall) passieren könnte, kann ich mit offenen Sinnen, das annehmen, was sich gerade zeigt. (Natürlich sorge ich auch für die Zukunft vor und bringe mich nicht in Gefahr)

Und wenn ich so jedem Tag begegne, meine Fokus so ausrichte, den Tag so beschließe, mich mit mir und dem Tag versöhne, bleibt letztendlich nur Gutes vom Tag übrig.

Gute Nacht, schlaft gut.

Veröffentlicht in denk-mal

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