Ich bin eine Zielgruppe

Veröffentlicht auf von M.

 

Es gibt drei große Meinungsforschungsinstitute: Forsa, Emnid und Infratest.

Ich habe drei Telefonnummern.


Als erstes hat mich Forsa entdeckt, kurz nacheinander folgten die beiden anderen Unternehmen. Ich wurde nun regelmäßig auf allen drei Telefonnummern angerufen, meist gerade beim Nachhausekommen, die Jacke noch nicht ganz aus oder mitten beim Essen, von Zeit zu Zeit schafften sie es auch, pünktlich zur Tagesschau anzurufen.


Schnell gewann Forsa mein Vertrauen und ... mein Herz. Da fragte mich endlich mal jemand nach meiner Meinung! Nun gut, die ersten Anrufe drehten sich meist um meinen Fernsehkonsum. Da ich aber in diesem Punkt keine gute Gesprächspartnerin bin - ich sehe einfach keine Serien und am Vorabend schon gar nicht – bemerkten sie schnell, dass sie mich zu anderen „Dingen“ befragen mussten. Ich führte viele gute Gespräche in dieser Zeit. Denn einseitig waren diese Befragungen nie. So weiß ich inzwischen, dass bei Forsa meist StudentInnen in den Abendstunden arbeiten, was sie verdienen erzählten sie mir auch – ich hab´s aber vergessen – und über die Arbeitsbedingungen, Studiengebühren, die Vor- und Nachteile diverser Nebenjobs drehte sich unsere gegenseitigen Befragungen. Geben und Nehmen eben.


Emnid und Infratest bekamen bald von mir einen Korb. Mit Forsa verstehe ich mich.


Irgendwann machten sie mir dann das Angebot auch online an Befragungen teilzunehmen. Begeistert sagte ich zu, konnte ich doch so wieder in Ruhe nachhause kommen, die Tagesschau sehen – ohne auf den Kontakt zu Forsa zu verzichten

Nun bekomme ich also ganz gezielt freundliche Einladungen zu online-Befragungen.

Na gut, manchmal stimmen sie nicht so ganz das Gesprächsthema ab - zu Autos und Wirtschaftszeitungen kann ich nun wirklich nichts sagen.

Doch dann macht es wieder einmal einfach nur Spaß. Mein absolutes highlight war vor etwa einer Woche: ich bewertete eine neue Aids-Vorsorge-Kampagne

Wenn Du also demnächst in einer Zeitschrift eine große Anzeige siehst, mit einem weißen, dicken Teppich vor einem brennenden Kamin, mit halbvollen Rotweingläsern, einigen Kleidungsstücken am Rand siehst und gefragt wirst, ob du mit dem Feuer spielen willst .... Tja, dann ist es auch ein bisschen mir zu verdanken, dass es diese Anzeige gibt.

     (und wenn nicht, bin ich eben doch keine Zielgruppe)

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