Der Geschmack der Kindheit

Veröffentlicht auf von M.

Wenn ich an meine Oma (1911-1993) denke, dann erinnere ich mich auch an ihr Mittagessen, denn in meiner Schulzeit aß ich fast immer bei meiner „Ommi“. Manchmal durften wir (meine Schwester und ich) uns etwas zum Mittag wünschen und auch später, als ich längst ausgezogen war und sie besuchen wollte, fragte sie als erstes, was ich denn essen möchte.

Ach, ihre Eintöpfe! Besonders gern mochte ich „Buntes Huhn“ (Möhren und kleine weiße Bohnen), Steckrüben- oder Schnippelbohneneintopf, in meiner Kindheit hat sie immer ein großes Stück Fleisch darin gekocht und später dieses in kleine Stücke geschnitten.

Und das Gemüse wurde von ihr ganz akkurat in kleine Stückchen geschnippelt (frei aus der Hand, mit einem gewöhnlichen Messer) und butterweich gekocht, ein Stück „gute“ Butter  dabei oder in einer Soße aus Kondensmilch und Mehl.

Oder ihr Grünkohl, der immer nicht nur mit Bregenwürstchen, sondern auch mit Kassler und einem anderen Stück Fleisch gekocht wurde, so habe ich ihn nie wieder gegessen.

Zu jeder Mahlzeit gab es Fleisch oder Fisch, reichlich Soße und immer Kartoffeln, Reis gehörte nur zum Hühnerfrikassee dazu. Das Gemüse und die Kartoffel durften wir immer zermatschen und ordentlich miteinander verrühren – auch wenn sich das eigentlich nicht gehörte.

Ich koche ganz anders, aber wenn ich Trost brauche, dann koche ich mir Kartoffeln und Möhren. Beides wird klein geschnitten und dann... zermatscht, ein Stück Butter und etwas Salz oben drauf.

Ach, danach geht es mir gleich ein bisschen besser und ich fühle fast die Umarmung meiner Oma.

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