ich back´ mir mal wieder ´nen Mann

Veröffentlicht auf von M.

Nun ist das Schlafzimmer neu gestrichen – toll sieht es aus, das Bett ist erst ein Paar Wochen alt, heute habe ich meine neue Matraze gekauft ... ach, und  ich würde das alles so gern mit einer aufregenden Liebesnacht einweihen.

Die Trauer um den Verlorenen ist abgeschlossen, ich fühl´mich wohl in meiner Haut, bin meist mit dem Leben zufrieden ... ach, und eine Kontaktanzeige habe ich auch aufgegeben.

Es gab eine Menge Zuschriften – einige habe ich gleich zur Seite gelegt, bei anderen hat es mich interessiert, wer hinter der Antwort steckt, habe telefoniert ... ach und ich hatte (bisher?) drei „blind dates“.

Jetzt sitze ich hier, höre Liebeslieder von Stacy Kent, hatte gestern einen schönen Tag mit zwei Unbekannten, ... ach, und heute habe ich zwei „ich will Dich nicht wiedersehen“ Anrufe entgegen genommen.

Gestern Abend habe ich die laue Luft auf meiner Haut intensiv wahrgenommen, heute spüre ich wieder diese vagabundierende Sehnsucht (dies ist von Wolfgang Schorlau), will Berührung spüren ... ach und jetzt würde ich mir gern ganz schnell einen Mann backen.

 

Das Rezept ist bekannt, dann ein bisschen vom Aussehen des Ersten, etwas von den Gemeinsamkeiten mit dem Zweiten (z.B. das gern in der Erde buddeln) dazu, gut durch rühren und dann die Nahbarkeit und das gute Gespräch mit dem Dritten vorsichtig unter den Teig heben. Der Backofen ist schon vorgeheizt, ich lege meinen Mann ganz sacht auf das Backblech, schaue ihm durch die Scheibe 22 Minuten beim Aufgehen zu ... ach und dann, noch nicht ganz ausgekühlt ...

Beisse ich ihm den Kopf ab, friere ihn auf Vorrat ein oder nehme ich ihn als Betthupferl mit in mein Bett?

 

Oder soll ich noch ein paar andere Unbekannte anrufen, mich mit einigen treffen, mich weiter in Geduld üben?

Oder könnte ich nur noch Hartrock hören, ab sofort Wollpullover tragen, mich mit Mathematik beschäftigen und mir die Haare kurz schneiden lassen?

 

Ich will lieber weiter mit der Sehnsucht im Blut umher gehen, wachen Auges vom Finden träumen und meine Geduld stärken ... ach und wenn´s grad mal etwas schwierig ist damit, einen Text darüber schreiben.

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