Untätgkeitsbericht

Veröffentlicht auf von M.


Manchmal, wenn mir noch nicht der Sinn nach dem eigenen Zuhause steht oder wenn die Gedanken nach Erlebten nicht zur Ruhe kommen, nehme ich mir ein kleine Auszeit.
Und wenn ich dann kein Buch dabei habe, setze ich mich mit einer Tasse Tee, einem Glas Wasser und einer Zigarette in das Straßencafé mitten im "Kiez" und schaue dem Leben zu.

Die Straßenbahn hält und spuckt ihre Fahrgäste aus, bei der Postagentur herrscht reges Kommen und Gehen, die Bänke an der Straße sind mit Menschen bevölkert, die plaudern oder einfach auch nur schauen. An meinem Platz ziehen Alte, Junge und Die-dazwischen vorbei, fremde und bekannte Gesichter, Eilende und Schlendernde. Sie bewegen sich: auf eigenen Füßen, mit zwei, vier oder mehr Rädern, allein oder in Begleitung. Gesprächsfetzen wogen wie Wellen. Ich muß nicht reagieren, kann an meinem Platz bleiben und den Blick schweifen lassen, hören, Tee trinken, vielleicht einen Sonnenstrahl auf der Haut erwischen.

Ich glaube, dass es in meiner Heimatstadt keinen anderen Ort gibt, an dem so viele unterschiedliche Menschen ihren Weg gehen und sich doch begegnen. Nirgends gibt so viel buntes Leben - Jede und jeder mit eigenem Chic oder Styling  - und dabei so viel selbstverständliches Nebeneinander.

Und ich sitze mitten im prallen, schillernden Leben, erhasche manchmal einen kurzen Auschnitt vom Leben der Menschen um meinen Tisch herum und mein Leben - mein Wollen und Wünschen, manches "Muß" - tritt zur Seite. Ich komme mitten im Trubel zu Ruhe, wieder zu mir selbst.

Schön, dass es Straßenafés gibt.

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