und ich warte doch

Veröffentlicht auf von M.

 


Ich kann nicht warten, konnte es noch nie.

Schon als Kind, wartete ich so ungern - auf meinen Geburtstag, dass ich endlich ... bin, dass die Sommerferien beginnen, ich meinen ersten Kuss von einem Jungen bekomme. Später wartete ich dann auf  Freundinnen, Freunde, Liebhaber, meine MitbewohnerInnen, den Urlaub, die nächste Party, den neuen Job, das Weihnachtsgeld ...

Erschwerend kommt dazu, dass ich (so paradox es klingt), weil ich so ungern warte, auf die Antwort, das Treffen, es endlich wissen will oder endlich beginnen will, viel zu früh dran bin.

Auch bei anderen Gelegenheiten bin ich häufig die Erste – wenn es darum geht einen Termin einzuhalten, eine Mail zu schreiben, eine Aufgabe zu erledigen, eine Idee umsetzen, das Wort zu ergreifen ...

Immer wieder nehme ich mir ganz fest vor, abzuwarten, Ruhe zu bewahren, mal zu spät dran, nicht die Erste zu sein. Von Zeit zu Zeit gelingt mir das auch – so mit den Jahren und der Erfahrung. Manchmal freue ich mich darüber, dass es mir gelungen ist. Und dann wieder stresst es mich, zu warten, Zeit zu geben – mir und dem Gegenüber. Und dann übe ich erneut, sage mir, dass ich nicht warten werde, dass ich mich bis zu richtigen Zeitpunkt eben beschäftigen, ablenken werde und dabei am Ende nicht bemerke, wie die Zeit vergeht.

Vergebens meist, denn bei aller Aktivität, ertappe ich meine Blick doch immer wieder dabei, wie er zur Uhr, über den Posteingang, durch das Café schweift – auf der Suche nach Erlösung aus der Öde des Wartens.

Und doch hat es was, dieses Warten.

Die Antwort liegt vielleicht im nebenstehenden Bild, auf das ich bei der Suche  nach einer Beschilderung dieses Textes gestoßen bin - "daydreams" und "soulfood" und die Warterei macht einen Sinn.


 

Veröffentlicht in wunderschöner all tag

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